Als Kaiser Maximilian Neydharting an die Jörger verkaufte

Das Team des Katholischen Bildungswerks Bad Wimsbach-Neydharting freute sich über einen vollen Pfarrsaal bei seinem Vortragsangebot am 8. November. In Zusammenarbeit mit dem Museum Tempus und der Marktgemeinde referierte Historiker MMag. Dr. Thiemo Gaisbauer zu "Als Kaiser Maximilian Neydharting den Jörgern verkaufte".

 

Nicht nur viele Gäste aus Bad Wimsbach-Neydharting lauschten gespannt den Ausführungen von Thiemo Gaisbauer. Auch einige Historiker waren im Publikum. Dr. Ulrike Moser, Obfrau Katholisches Bildungswerk, begrüßte besonders herzlich Dr. Walter Aspernig sowie Bürgermeister Mag. Erwin Stürzlinger und Norbert Fischer, Kustos des Musuem Tempus.

Gegenstand des Vortrags war die Original-Urkunde aus dem Jahr 1498, die im Vorjahr der Marktgemeinde zum Kauf angeboten wurde. Als ausgewiesener Experte überprüfte Thiemo Gaisbauer die Echtheit des historischen Dokuments. Des Weiteren transkribierte er die Urkunde, womit eine umfassende Erklärung, worum es konkret ging, möglich war.

Zu Beginn des Vortrags reiste Historiker Gaisbauer, übrigens ein gebürtiger Wimsbacher, rund 530 Jahre zurück. 1486 kaufte Kaiser Friedrich III. die "Feste Neidharting". Gerade ältere Wimsbacherinnen und Wimsbacher wissen viele mystischen Geschichten über das ehemalige Wasserschloss in Neydharting zu berichten. Ein Gebäude des Objektes ist heute noch existent. "In Wahrheit gibt es das Wasserschloss noch. Seine Materialien - überwiegend Konglomeratquader - sind in Häusern und Gehöften in Bad Wimsbach-Neydharting verbaut", merkte Thiemo Gaisbauer mit zwinkerndem Auge beim Vortrag an. 

Wie kam es nun zum Kaufanbot durch Kaiser Maximilian an die Jörger?
Im Grunde hatten die Habsburger nie Geld. So verstanden es die sogenannten "Frühkapitalisten" wie zum Beispiel Jakob Fugger durch geschickte Kreditvergaben, Kaiser Maximilian immer wieder zu Geld zu verhelfen. Bischof Melchior von Meckau, der das Kaufanbot unterzeichnete, war eine wichtige Schlüsselfigur zu dieser Zeit. "In heutigem Geld betrug das Kaufanbot rund 4,5 Millionen Euro!", führte Thiemo Gaisbauer aus. Christoph Jörger von Roit, der zur Linie Taufkirchen/Trattnach zählte, nahm das Angebot an. Im Wesentlichen passte die "Feste Neidharting" gut zu den weiteren Ländereien, die die Jörger in der Nähe bereits besaßen.

Nach den Jörgern hat Neydharting die beste Zeit überschritten. Graf Starhemberg kaufte die Herrschaften Neydharting und Wimsbach. Er legte mehr Augenmerk auf Wimsbach, wodurch Neydharting dem Verfall preisgegeben wurde. "Das endgültige Ende des Wasscherschlosses wird um ca. 1850 gewesen sein.", führte Historiker Gaisbauer aus.

Die Urkunde ist im Museum Tempus. Almeggerstr. 5, ausgestellt. Das Museum hat jeden Mittwoch von 15:00 bis 18:00 Uhr und jeden Samstag von 9:00 bis 12:00 Uhr geöffnet. Gruppenführungen sind auch außerhalb dieser fixen Zeiten möglich. Das Bürgerservice am Marktgemeindeamt freut sich über Anfragen (Tel. 07245/25055-0, E-Mail: gemeindebad-wimsbach.ooe.gvat)!

Mehr Fotos

 

 

Museum Tempus
Kustos Norbert Fischer zeigte die jahrhundertealte Urkunde, die den Verkauf von Neydharting an die Jörger dokumentierte. (Fotos: Cornelia Gasperlmair)
Kaiser Maximilian
Das historische Dokument!
Kaiser Maximilian verkaufte Neydharting
Bürgermeister Erwin Stürzlinger (v.li.) dankte Thiemo Gaisbauer für die interessanten Ausführungen sowie Ulrike Moser (KBW) und Norbert Fischer (Tempus) für die Organisation des Vortrags.